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Francesco Di Potenza

mobilesport.ch

 

Interview Vistawell Bernard Prébandier (BP) / Francesco Di Potenza (Pot)

«Wir liefern Grundrezepte, Sportlehrpersonen bereiten damit ihre einzigartige Mahlzeit zu.»

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BP: Francesco Di Potenza, Sie und Ihr Team betreuen seit 2011 die Online-Plattform «mobilesport.ch». Was ist auf der Website finden? 

PotWir bieten auf unserer dreisprachigen Plattform Inhalte für Sportlehrpersonen, Trainerinnen und Trainer, J+S-Leiterinnen und Leiter, Erwachsenensport-Leitende und alle weiteren Sportinteressierten. Sie finden auf mobilesport.ch Übungsideen, pfannenfertige Lektionen, Tests, Hintergrundwissen zu verschiedenen Sportarten und sportartenübergreifenden Themen. Es handelt sich um ein Sportförderungsinstrument der Schweizerischen Eidgenossenschaft, im Speziellen des Bundesamtes für Sport BASPO. Der Zugang zu diesen Inhalten ist frei von Verpflichtungen, die User erhalten alles gratis und franko. Sie müssen sich allerdings in der grossen Menge an Daten zurechtfinden und idealerweise bereits von Anfang an wissen, wonach sie suchen.  

BP: mobilesport.ch wurde als Nachfolgerin der Zeitschrift «mobile» ins Leben gerufen. Hat sich die Arbeit für Sie verändert? 

Pot: Nicht heftig. Alles ist aber schneller geworden und wir haben mehr Möglichkeiten. Schneller, weil wir monatlich einen neuen Schwerpunkt veröffentlichen. Und da wir sehr kurze Produktionszeiten haben, müssen wir organisatorisch immer à jour sein und alle Beteiligten von der Wichtigkeit der Termintreue überzeugen. Weil wir auf dem Web mit Videoclips arbeiten, sind die logistischen Herausforderungen anders gelagert als bei einer Print-Produktion. Wir sind zwar nicht mehr an Termine mit Druckereien, Inserenten oder Versanddienstleistern gebunden, doch das birgt auch Gefahren. 

BP: Welche sind das? 

Pot: Dass man zum Beispiel Publikationen hinausschiebt, wenn sie vermeintlich noch nicht ganz fertig sind, sich in Details verliert oder wenn sich z.B. Redaktion, Übersetzungen oder grafische Arbeiten verzögern. Das ist uns aber bisher noch nicht passiert. Wir haben seit der Lancierung der Plattform im März 2011 das geplante Monatsthema immer pünktlich veröffentlicht. Und zwar immer in drei Sprachen. 

BP: Erzählen Sie uns von den Monatsthemen … 

Pot: Das sind themenspezifische Schwerpunkte, die als leserfreundlich aufbereitete pdf-Dokumente zum Download und mit ergänzenden Web-Inhalten, wie Lehr-/Lern-Videos oder sonstigen Hilfsmitteln wie Planungstools, Postenblätter zum Laminieren usw. angeboten werden. Das können Themen zu bestimmten Kompetenzen für eine definierte Schulstufe sein oder auch ein Thema, das eher den Erwachsenensport anspricht, wie z.B. Yoga, Sensomotorisches Training, Pilates oder aktuell das Monatsthema «Training mit Hilfsmitteln». Oder auch eine Sportart wie Handball oder Volleyball für den Vereinssport oder auch für das Setting Schule. 

BP: Wie wählen Sie die Themen aus? 

Pot: Die Themenwahl unterliegt einer Jahresplanung und wird in Absprache mit Experten aus Magglingen und anderen Ausbildungsinstitutionen aus der ganzen Schweiz getroffen. Dabei schlage ich als Chefredaktor – nach fundiertem Brainstorming mit meinem Team, nach vielen Gesprächen und Kontakten mit Akteuren aus der Sportunterrichts- und Trainingswelt – die Themen vor, die wiederum ergänzt werden mit den Inputs und Bedürfnissen unserer Beraterinnen und Berater.    

BP: Wie viele Personen arbeiten in Ihrem Team? Was sind Ihre Hintergründe? 

Pot: In der Redaktion sind das Lorenza Leonardi-Sacino, die für die italienische Version zuständig ist sowie Raphael Donzel, der den französischen Teil verantwortet. Wir haben alle einen journalistischen Hintergrund. Das ist vorteilhaft, weil wir den Fachexperten objektive – oder, je nach Perspektive, die «dummen» – Fragen stellen können. Es braucht für diesen Job eine hohe Affinität zu sportpädagogischen Themen sowie ein vertieftes Verständnis für mediale Umsetzungsmöglichkeiten sowie das Gespür für die Anliegen der Autoren. Und ein gewisses technisches Flair schadet nicht. Ohne das alles könnte man die Arbeit nicht machen 

BP: Weshalb nicht? 

Pot: Wichtig ist es, die Bedürfnisse der Autorinnen und Autoren zu verstehen und sie mit unseren Anforderungen abzustimmen. Man muss Ihnen klare Aufträge geben können. Dann braucht es ein gewisses Vorstellungsvermögen, um das breite Expertenwissen zu strukturieren und dann attraktiv und benutzerfreundlich aufzubereiten, sowohl für die pdf-Version, die den Regeln einer klassischen Printproduktion folgt, als auch für die reine Web-Version, die leicht anderen Gesetzmässigkeiten unterliegt. Jedes Monatsthema unterscheidet sich von anderen. Was wollen wir veröffentlichen? Welche Aspekte sind uns beim gewählten Thema wichtig? Wie sieht die Struktur aus? Wie soll die Bildwelt werden? Ist Crossmedialität sinnvoll, nötig? Solche und weit mehr Fragen stellen sich bei jedem Schwerpunkt von neuem. Andererseits braucht es ein Verständnis für die typischen Produktionsabläufe, um auch den Grafikerinnen, Fotografen, Filmern usw. klare Aufträge geben zu können. 

BP: Reden wir von den Benutzern. Wie steht es mit den Zugriffen auf mobilesport.ch?      

Pot: Es werden über 1 Million Seiten jährlich aufgerufen, Tendenz steigend. Das Gute daran: Wir konnten feststellen, dass es sich um sogenannte «qualitative» Nutzer handelt. D.h. die Verweildauer auf einer Seite liegt im Schnitt bei rund 5 bis 8 Minuten. Wir interpretieren das so: Die User suchen und finden die Inhalte, setzen sich damit auseinander und analysieren bereits, ob sich der Inhalt für ihre Planung eignet. 

BP: Wer sind denn diese User? 

PotWie erwähnt sprechen Sportlehrpersonen an sowie Trainingsleiterinnen und -leiter. Sozusagen die «Profis» des Sportunterrichts. Personen, die wissen, was sie für ihren Unterricht brauchen und fähig sind, unsere Inhalte ihren eigenen Bedürfnissen anzupassen. mobilesport.ch stellt solchen Profis Instrumente zur Verfügung. Sie sollen dann daraus ihr eigenes Ding weiterentwickeln. Man kann mobilesport.ch auch mit einem Lehr-Kochbuch vergleichen: Dort stehen Grundrezepte drin, die Köche geben dann eigene Ideen dazu und stellen damit eine einzigartige Mahlzeit zusammen. 

BP: Schauen wir in die Schweizer Turnhallen. Wie sehen Sie den Sportunterricht in der Zukunft? 

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Pot: Als Nicht-Sportlehrperson kann ich nur meine Idealvorstellung, meine Hoffnung kundtun. Ich würde zunächst wünschen, dass keine Lehrperson mehr mit Strassenkleidern in der Turnhalle steht und ewig-gestrige Anweisungen gibt, sondern selber aktiv mitmacht, vorzeigt, in den Kindern einen gesunden, sportlichen Ehrgeiz weckt und ihnen auch zu verstehen gibt, dass sie im Sportunterricht wichtige Dinge lernen, die ihnen letztlich im ganzen Leben dienen können. Ich denke da an Themen wie Teamfähigkeit, Arbeits-Disziplin, Umgang mit Sieg und Niederlage, nebst allen körperlichen Aspekten natürlich. Eine idealistische Vorstellung, das weiss ich. Vielleicht müsste ich mich einfach damit zufrieden geben, dass das 3-Stunden-Obligatorium eingehalten wird oder dass die Kinder im Schulturnen nicht nur Fussball spielen oder nur Geräteturnen sondern vielfältige Bewegungs- und Sporterlebnisse haben dürfen. 

BP: Wie schätzen Sie die Wichtigkeit des Sportunterrichts im ganzen schulischen Fächerkanon ein? 

Pot: Qualitative Bewegung ist für die ganzheitliche Entwicklung der Kinder wichtig, das wurde in verschiedenen Studien mehrfach gezeigt. Die zahlreichen Kontakte mit Autorinnen und Autoren, mit Fachexperten, Studentinnen und Studenten zeigen mir immer wieder: Das Feuer ist da, viele Pädagogen stehen für einen hohen Stellenwert des Sportunterrichts ein. Das wiederum äussert sich durch innovative Ideen. Es gibt und braucht diese Sportlehrpersonen, die beitragen, den Sportunterricht weiter zu entwickeln und auch fähig sind, weniger bewegungsaffine Kinder und Jugendliche zum Bewegen und Sporttreiben zu animieren. Da Sport und Bewegung auch gesellschaftlich einen immer höheren Stellenwert haben, bin ich zuversichtlich, dass sich dies letztlich im Sportunterricht spiegelt. Unter anderem zeigt sich das auch im Interesse der Sportverbände, die vermehrt Spezialprogramme für den Schulsport entwickeln. Ich denke dabei an Verbände wie der Rugbyverband mit «Rugby‘s cool» oder der Fussballverband, der Leichtathletikverband, der OL-Verband, der Handballverband usw. 

BP: Immer wieder wird die Thematik «Übergewicht bei Kindern» medial breitgewalzt. Kann der Sportunterricht dieses Problem bewältigen? 

Pot: Nicht alleine. Es braucht mehr als den Sportunterricht, glaube ich. Unter anderem ein persönliches Umfeld, das den Kindern ohne Mahnfinger die Zusammenhänge zwischen Bewegung, Ernährung, Körperbewusstsein und medialem Konsum immer wieder vor Augen führt. Der Sportunterricht ist ein Baustein, der solche Zusammenhänge aktiv aufzeigen kann. Die Lehrperson kann mit einem spielerischen, abwechslungsreichen und motivierenden Sport- und Bewegungsunterricht Kinder dazu animieren, sich auch ausserhalb der Schule viel zu bewegen, Sport zu treiben, im Schulunterricht kann ihnen beigebracht werden, sich in Sachen Ernährung Gedanken zu machen. Das Ganze nützt allerdings wenig, wenn die Kinder von zu Hause als Znüni täglich Brot mit Schoggi-Aufstrich und dazu noch ein Süssgetränk erhalten oder nach der Schule ihre Zeit mit einer Packung Chips beim PC-Gamen, in den Social Medias oder vor dem TV verbringen. Darauf hat der Sportunterricht bzw. die Lehrperson keinen Einfluss. Es liegt auch nicht in ihrer Verantwortung. Allerdings möchte ich präzisieren: PC-Games, TV, Tablet, Handy, Schoggi oder Süssgetränke sind – massvoll konsumiert – völlig in Ordnung. Das gehört meiner Meinung nach in die Erfahrungsschatzkiste von Kindern. 

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BP: Kommen wir wieder zurück auf die Plattform. Mit welchen Partnern pflegen Sie regelmässige Kooperationen? 

PotAllen voran mit unseren Experten aus dem BASPO. Mit Jugend+Sport, der Eidg. Hochschule für Sport, mit der Trainerbildung Schweiz verfügen wir in Magglingen über geballtes Sportwissen aus Theorie und Praxis. Zudem gelangen wir über diese Kontakte an die Sportverbände, wenn es um sportartenspezifische Inhalte geht. Schulspezifische Themen erarbeiten wir im Austausch mit Pädagogischen Hochschulen, dem Schweizerischen Verband für Sport in der Schule SVSS oder mit Lehrpersonen, die Tag für Tag in der Sporthalle stehen und sich in den aktuellen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen bewegen. Themen rund um Sport und Sicherheit erarbeiten wir mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu. Grundsätzlich sind wir offen für Kooperationen, sofern sich das vorgeschlagene Thema als praxisrelevant und nützlich für unsere Nutzerinnen und Nutzer anhört. 

BP: Wie suchen Sie die Themen aus? 

PotViele Inputs kommen von den eben genannten Partnern. Manchmal entsteht eine Themenwahl aus einem reinen Bedürfnis der Aktualisierung. Dort stellen wir uns dann beispielsweise Fragen wie: Sind unsere Basketball-Inhalte noch aktuell, sollen wir sie neu aufbereiten usw.? Und: Es gibt auch zahlreiche aktive und kreative Sportlehrpersonen, die vor Ideen nur so sprudeln und sich an uns wenden. Ihre Lust, etwas Neues zu entwickeln oder Altbekanntem neues Leben einzuhauchen kommt wiederum unserer Plattform zu Gute. 

BP: Haben Sie Beispiele? Pouvez-vous nous donner des exemples?

Pot: Spontan fallen mir Themen wie FooBaSKILL ein, eine Kombination zwischen Fuss- und Basketball, das von Westschweizer Sportlehrern erfunden wurde oder die Burner Games, altbekannte Spiele, die in ein zeitgemässes Setting mit entsprechendem Wording gesetzt werden. Oder auch neuere Sportarten wie Parkour, die wir letztes Jahr veröffentlicht haben oder Slackline vor ein paar Jahren. Das sind nur ein paar wenige unter vielen. Auch wenn das Rad nicht immer wieder neu erfunden wird, schaffen es unsere Autoren letztlich immer, ihre Themen unter neuen Aspekten zu beleuchten. Das macht unsere Arbeit als Redaktoren auch unheimlich spannend.  

BP: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was halten Sie von Sion2026? 

PotDas kann ich nur als Privatmensch beantworten. Es wird viel über Vor-, Nachteile, finanzielle Probleme, Grössenwahn usw. berichtet, die Emotionen brodeln bei Gegnern und Befürwortern. Ich habe da eine pragmatische Haltung. Zwar war ich noch nie ein Freund von Grossveranstaltungen, weder von sportlichen noch von kulturellen. Ich habe schon immer das Kleine, Feine bevorzugt. Also lieber den Rollhockey-Match am frühen Samstagabend im Quartier schauen und dann in ein Kleintheater oder in ein Clubkonzert sitzen. Bei Olympischen Spielen sehe ich es etwas anders: Wenn die Schweiz als innovatives Land die Chance erhält, Spiele einer neuen Generation – kleiner, nachhaltiger, vernünftiger – durchzuführen, würde mich das begeistern. Dann sollte sie diese Chance nutzen. Ich wäre begeistert und würde mir auf jeden Fall vor Ort das eine oder andere Eishockey-Spiel anschauen oder an ein Curling-Spiel gehen. 

BP: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit mobilesport.ch. 


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